„Vegas, BABY“ oder „Cody, Logan und ein Hoch auf den Nagellackentferner“

Nach mehreren kleinen Panikattacken, einen Trip nach Vegas zeitlich gar nicht mehr unterbringen zu können, war es letzten Mittwoch also soweit: Nach unseren Vorlesungen ging es gegen vier Uhr mit Marle, Nina und einem vollbepackten Cody, Ninas neuem Auto, also endlich Richtung Vegas! Nach etwa 150 Meilen meldete sich Cody, in der Vorwoche extra noch mit brandneuen Reifen (äähh Schuhen natürlich) ausgestattet, immer wieder zu Wort…sobald man im 5. Gang vom Gas ging, klang es als würde rechts unten etwas gegen den Unterboden klappern. Nach mehreren Telfonaten mit Ninas Mitbewohnern mussten wir erfahren, dass genau das gleiche Problem 2 Jahre zuvor der Grund für ein neues Getriebe gewesen war. Konnte das Getriebe nun schon wieder kaputt sein? Wusste der Verkäufer davon und hat Nina sich über den Tisch ziehen lassen? Machten wir noch mehr kaputt, indem wir einfach weiterfahren würden? Mit jeder neuen Frage und fehlenden Antwort wuchs die Anspannung im Auto und auch die Tatsache, dass Nina und Marle Cody so langsam in den Griff bekamen wirkte da nicht wirklich entspannend. Konnten wir uns mit diesem Auto am Freitag nochmal 280 Meilen Richtung Grand Canyon warten? Und würden wir überhaupt in Vegas ankommen, geschweige denn heil zurück nach Santa Barbara? Ihr könnt euch vorstellen, wie wir uns im Auto den Kopf zerbrochen haben. Mitten in der Wüste und bei einkehrender Dunkelheit war es wohl auch nicht die beste Idee, an einer der einsamen Minitankstellen anzuhalten und jemanden um Rat zu fragen. Also fuhren wir tapfer bis nach Vegas und erreichten gegen 1 Uhr Nachts dann auch endlich das Hard Rock Hotel, unsere Bleibe für die ersten zwei Nächte. Zumindest das Hotel war ein voller Erfolg: goldene Gitarren statt Türklingen, Kronleuchter aus Saxophonen und Lampen aus Becken sind nur einige Beispiele der echt tollen Aufmachung. Und weil man ja nicht alle Tage in Vegas ist, haben wir uns auch trotz der späten Stunde noch dazu entschlossen, uns fertig zu machen und das hoteleigene Casino zu testen. Nach einigen ersten Versuchen an den 1cent-Automaten und einem Gewinn von insgesamt 20$ ging es dann gegen 4 aber auch für uns ins Bettchen (wobei „chen“ hier wohl nicht so ganz angebracht ist…).

Am nächsten Morgen stand dann große Hotelschau auf dem „Strip“ auf dem Programm. Wir hatten in der Nacht zwar schon einen Vorgeschmack von den Temperaturen bekommen, aber die Hitze tagsüber machte uns dann doch mehr als zu schaffen. Bei über 40°C und einem Wind (ich habe ich wie in den Gebläsen von Kaufhauseingängen gefühlt) war jede neue Hotelklimaanlage das reinste Geschenk. Nach zahlreichen Hotels und gefühlten 34853 ausgeschwitzten Litern waren wir irgendwann so am Ende, dass wir nur noch wie in Trance den Las Vegas Boulevard entlang geschlurft sind. Ein Subway war schließlich die Rettung schlechthin, denn nach einem Foot-long Sandwich und einer großen Cola waren wir auf einmal sogar wieder in der Lage, unsere Umgebung wahrzunehmen. Nach einem letzten Fußmarsch zum Venetian (mein persönlicher Favorit: Gondeln und ein erstaunlich echt aussehender Himmel bescheren einem einen unglaublichen Auslflug nach Venedig), haben wir uns dann ganz dekadent ein taxi zurück zum Hotel gegönnt, denn dummerweise hatten wir bei der Hotelbuchung nicht realisiert, dass unser Hotel gar nicht auf dem Strip liegt. Während unserem Spaziergang durch die unerträgliche Hitze hatten wir uns schon mental auf eine Erfrischung im berühmt berüchtigten Pool unseres Hotels eingestellt und waren dementsprechend entsetzt als wir feststellen mussten, dass der Pool um 6 Uhr (genau 10 Minuten zuvor) geschlossen hatte. Welcher Pool in Vegas schließt denn bitteschön um 6 Uhr abends? Hallo? Nachdem wir unsere Fassung wieder gefunden hatten, waren wir uns schnell einig, die gewonnen Zeit für ein kleines Schläfchen zu nutzen. Halbwegs frisch und munter haben wir uns anschließend in Schale geschmissen und uns beim gamblen unten im Casino das Frühstück für den nächsten Morgen erspielt. In Bestlaune und per Taxi ging es dann zum MGM, wo wir uns nachmittags für einen Club auf die Gästeliste hatten setzen lassen. Und als ob wir nun nicht langsam einmal genug Pech gehabt hätten, wurde mein Führerschein nicht (wie versprochen) als ID akzeptiert und wir konnten (nachdem wir uns dort im Casino die Rückfahrt erspielt hatte) uns wieder auf den Weg zurück machen. Doof gelaufen! Leider waren ich auch die einzige, die motiviert genug war, um noch einmal zum Strip zu starten. Also wieder keine Partynacht in Vegas! Stattdessen wurde im Supermarkt gegenüber eine große Tüte Nachos und Käsesoße gekauft und auf dem Hotelzimmer ein leckerer Mitternachtssnack eingelegt, bevor es diesmal (wenn ihr mich fragt) vieeel zu früh um halb 2 ins Bett ging.

Da es ja nicht angehen konnte, dass wir zwei Nächte im Hard Rock Hotel verbracht haben, ohne den legendären Pool zu testen, war am Freitagmorgen frühes Aufstehen angesagt, denn vorher musste ja auch noch unser Chaoszimmer geräumt und unser ganzer Kram wieder in Koffern und Rucksäcken verstaut werden. Die 1 1/2 Stunden, die wir letztendlich am Pool hatten, waren aufgrund von Bauarbeiten an der Hotelfassade dann leider auch weniger entspannend als erhofft. Am Vortag hatten wir uns entschieden, Cody im Hotelparkhaus stehen zu lassen und ein Auto gemietet, dass uns nun sicher und ohne Bangen zum Grand Canyon bringen sollte. Nachdem wir Logan (ein richtig schicker und geräumiger Bursche) am Airport abgeholt hatten und uns von dem erspielten Geld bei Coco’s ein dickes amerikanisches Frühstück gegönnt hatten (leckere Blueberry-Pancakes mit Rührei und Bacon), wurde also Arizona (nach Kalifornia und Nevada nun mein dritter amerikanischer Staat ;-)) angesteuert. Da die Fahrt mal wieder länger als gedacht dauerte, mussten wir uns mit dem Sonnenuntergang in der Wüste anstelle des Sonnenuntergangs im Canyon begnügen. Gegen halb 9 abends erreichten wir schließlich unseren Campingplatz und mit Hilfe von Logans Vorderlicht stand unser Zelt in weniger als 3 Minuten! Nach mehreren Rückschlägen tat dieses Erfolgserlebnis richtig gut! Aber es sollte noch besser kommen, denn nach 2 weiteren Minuten saßen wir schon mit gegrillten Marschmellows (aufgespießt auf Zeltheringen), Baguette, Jalapeno-Brot, Tomaten, Möhren, Dip und einer Flache Bier unter einem wunderschönen Sternenhimmel (so viele Sterne habe ich noch nie gesehen) vor einem herrlich flackernden Lagerfeuer! Das ganze hatten wir Marles Eingebung zu verdanken, einfach mal eine halbe Falsche Nagellackentferner als Anzünder zu benutzen! Mädels on Tour, würd ich sagen ;-)! Da wir den Sonnenuntergang ja verpasst hatten, wollten wir uns nun am nächsten Morgen nun wenigstens den Sonnenaufgang anschauen! Wieso muss die Sonne nur immer so verdammt früh aufgehen? Nach 3 Stunden unruhigem Schlaf war unsere Nacht also um 4 Uhr morgens schon wieder vorbei. Irgendwie hatten wir nach 2 Tagen mitten in der Wüste die Temperaturen am Canyon unterschätzt, sodass wir beim Warten auf den Shuttle Bus gefroren haben wie schon lange nicht mehr. In kurzer Hose und mit nackten Füßen haben wir versucht, uns hinter einem kleinen Mäuerchen gegen den eisigkalten Wind zu schützen und uns so gut wie möglich gegen die Kälte zu verkrampfen. Gott sei Dank war die ganze Tortur aber nicht umsonst, denn der Sonnenaufgang mit Blick über den Canyon war einfach traumhaft schön. Was für ein Kontrastprogramm zum kunterbunten, lauten Vegas-Rummel! Zu Fuß haben wir dann noch einige weitere Aussichtspunkte abgeklappert, tausende Fotos geknipst und die Sicht über den faszinierenden Canyon genossen. Um halb 9 hat uns dann aber auch so langsam die Müdigkeit eingeholt, sodass wir uns wieder zum Zeltplatz begeben haben, das Zelt abgebaut und unser Auto bepackt haben und es uns noch für ein Nickerchen auf der großen Luftmatratze unter freiem Himmel gemütlich gemacht haben. Der Rückweg hat dann mal ausnahmsweise wie geplant geklappt, sodass wir gegen 6 endlich auf unserem Zimmer im Stratosphere Hotel (ja, der niedrigere Preis war offensichtlich…) ankamen. Tja, was kam uns entgegen als wir die Tür öffneten? Eine riesige Wolke kalter Zigarettenrauch! Wär ja sonst auch alles zu einfach gewesen…also wurde das Zimmer nach einer halben Stunde nerviger Warterei noch einmal gewechselt! Wenigstens hatten wir nun eine wunderbare Aussicht auf den Tower (Auchtung, Ironie!)…

In unserer letzten Nacht sollte dann partymäßig noch einmal alles gegeben werden. Leider hatte Marle sich entschieden, schlechte Laune zu haben, sodass ich es echt schwer hatte, mir meine Partylaune nicht verderben zu lassen. Beim Gamblen blieben wir leider ziemlich erfolglos und die Taxifahrt zum MGM (diesmal mit Reisepass im Gepäck) kostete uns aufgrund eines wahnsinngen Taxifahrers fast das Leben, aber schließlich fanden wir uns doch im Club wieder. Ich glaube nur, dass an diesem Abend kein Club den Ansprüchen genügt hätte, denn trotz guter und tanzbarer Musik und nicht mehr oder weniger gierigen Männern als sonst auch, hatte ich schon nach 1 1/2 Stunden keine Chance mehr, Marle und Nina umzustimmen. Wirklich schade, wenn man bedenkt, dass man ja nicht alle Tage in Vegas ist.. Ich hätte gerne wenigstens eine Nacht so richtig Gas gegeben und mir bis zum Morgengrauen die Seele aus dem Leib getanzt. Trotzdem hatte der Abend noch ein richtig tolles Highlight, denn zufällig war Sophie, die gerad die Summer Session an der UCLA macht, am gleichen Wochenende in Vegas und wir hatten uns im Club verabredet! Man war das toll, ein bekanntes Gesicht zu sehen! Und wie immer fühlte es sich so an, als wäre ich nie weggewesen und als wäre es vielleicht gerad mal ein paar Tage her, dass ich sie das letzte Mal gesehen habe! Schon lustig, dass wir zwei Münsteraner uns ausgerechnet in Vegas (!!!) wiedersehen! Aber wiegesagt ließen sich meine Mädels ja nicht mehr halten, sodass wir uns (aufgrund der noch frühen Stunde) zu Fuß auf den Weg zurück zum Hotel gemacht haben. Das tolle an Vegas ist, dass man auch noch mitten in der Nacht im Kleidchen über den Strip huschen kann, ohne auch nur annähernd zu frieren. Das weniger tolle ist, dass die Männer, die einem hinterherpfeifen und -schreien auf Dauer wirklich anstrengend werden und einfach nur noch nervtötend sind. Da meine Schuhe nicht die bequemsten waren, habe ich sie irgendwann ausgezogen und bin barfuß weitergelaufen. Zu dumm, dass das Hotel viel weiter entfernt war, als es den Anschein machte (den Stratosphere Tower konnte man schon von Weitem sehen) und ich letztendlich nicht nur mit pechschwarzen, sondern auch mit wundgescheuerten Füßen am Hotel ankam. Der lange Fußmarsch hatte uns hungrig gemacht und selten hat ein Chicken Burger und eine Pommes so gut geschmeckt wie in dieser Nacht! Nach dieser Stärkung und einer halben Stunde in der Badewanne, um wenigstens den gröbsten Dreck von meinen Füßen zu entfernen, sind uns nach 24 Stunden auf den Beinen dann auch innerhalb von 3 Sekunden die Augen zugefallen.

5 Stunden Schlaf waren natürlich kaum genug, um das Schlafdefizit der Nacht zuvor aufzuholen, aber das Vegas Schild und die Little White Chapel wollten noch aufgetrieben und Logan zurück zum Airport gebracht werden. Nach einer halben Stunde in der unerträglichen Mittagshitze wurde der erste Teil des Plans aber wieder verworfen, sodass wir uns mit einem Starbucks Coffee zum Frühstück auf den Weg zum Flughafen machten, Abschied von Logan nahmen und uns mit Cody auf den Rückweg wagten: Zitterpartie, No. 2! Cody blieb zunächst auch den Umständen entsprechend brav, aber dann machte uns der Verkehr einen Strich durch die Rechnung. Die ersten 11 Meilen kosteten uns 1 1/2 Stunden und bei einem  kleinen Ausflug auf den Randstreifen sah ich uns schon den Abschleppwagen rufen! Irgendwie haben wir es aber dann doch in insgesamt 10 Stunden Fahrt nach Hause geschafft! Cody hat sich wohl noch einmal zusammengerissen. Für Nina geht es jetzt hier wohl erstmal in die Werkstatt und für uns heißt es Daumen drücken, dass es vielleicht doch nicht das Getriebe ist und Nina nun weder eine dicke Reparatur bezahlen muss, noch den Wagen nicht wie geplant wieder los wird! Das wäre echt zu ärgerlich!

Trotz Codys Zickereien war es aber alles in allem ein toller Trip, wenn ich auch noch immer der verpassten Partynacht hinterhertrauer! Las Vegas ist einfach eine super durchgeknallte, verrückte Stadt, die mehr einem riesengroßen Spielplatz gleicht und irgendwie total irreal ist…! Einen Besuch ist sie auf jeden Fall wert! Jetzt, nachdem ich das ganze Spektakel mal erleben durfte…und dann noch in Kombination mit Natur Pur beim Grand Canyon…kann ich mich glücklich und zufrieden zurücklehnen und mich über das spannende, wenn auch wirklich anstrengende Wochenende wie ein Schneekönig freuen!

So, nachdem ich mich mit diesem Bericht nun erfolgreich davor gedrückt habe, mal so langsam für mein Midterm am Donnerstag zu lernen, muss ich mir jetzt wohl oder übel mal meine Unterlagen schnappen! Ich hoffe, ich konnte euch mit meinem Bericht ein bisschen was von meinem Wochenende mitbringen und ich sag nur „Vegas, BABY!“…

Eure Kathrin

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