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After-Midterm-Report

Mai 4, 2009

Es ist wieder einmal Sonntag und ich freue mich gerade darüber, dass ich meine wöchentliche „laundry“ hinter mich gebracht habe. Die Midterm-Woche ist Gott sei Dank vorbei, sodass ich mir heute einen ganz entspannten Sonntag leisten kann. Leider gibt das Wetter nicht sonderlich viel her, aber so habe ich immerhin die Gelegenheit, euch auf den neusten Stand zu bringen. Nach der erfreulichen Nachricht am vorletzten Donnerstag, dass der Midterm auch zwei Take-Home Essays enthält, musste ich den Trip ins Napa Valley leider canceln und mein Wochenende stattdessen in einem kleinen Study Raum verbringen. Zum Glück war ich nicht die einzige, die noch einiges zu tun hatte, sodass wir mit vier, fünf Leuten zusammensaßen. Die Essays haben einfach viel zu viel Zeit in Anspruch genommen und zusätzlich musste ich mich ja auch noch inhaltlich auf zwei Midterms vorbereiten.

Trotz Lernerei hat aber dann doch irgendwie alles halbwegs entspannt funktioniert und nun warte ich mal gespannt auf die Ergebnisse. Es ist ein Phänomen, mit welcher Gelassenheit einige amerikanische Studenten mal locker 15 min zu spät zur Prüfung kommen, um dann nach 8 ½ Minuten wieder abzugeben und nach Hause zu gehen. Zu dieser Zeit hatte ich nicht einmal die Hälfte meiner Fragen durchgelesen, aber nun ja, hier ist das anscheinend nichts Bemerkenswertes…auf jeden Fall wurde dem Ganzen keine besondere Beachtung geschenkt. Obwohl die Midterms vorbei sind, geht es leider direkt weiter. 3 neue Article Summaries wollen geschrieben und ein Web-based Training will entwickelt werden, hinzu kommt natürlich jede Menge Leserei und da das ganze nächste Wochenende schon verplant ist, muss ich wohl oder übel ab Morgen direkt wieder voll durchstarten! Das Wetter in der letzten Woche hat dann auch nicht gerade zu guter Laune beigetragen: erst richtig kalt und windig und dann auch noch strömender Regen! Andererseits habe ich so in den vielen Stunden im Study Raum nicht auf wertvolle Sonnenstrahlen verzichten müssen. So ging es dann am Freitag auch bei strömendem Regen zum Baseball nach San Francisco! Mit vier Pullovern und Wolldecke (Mama, was wäre ich ohne dich ;-)) ausgestattet, fühlten wir uns gerüstet für den Abend. Bis zuletzt hatten wir gehofft, der Regen würde Erbarmen mit uns haben, aber nein…es hat ununterbrochen geschüttet.

Nach 10 Minuten auf unseren eigentlichen Plätzen, zusammengekauert unter unseren Regenschirmen, haben wir es uns dann auf einer überdachten Tribüne gemütlich gemacht. Mit Sebastians Hilfe habe ich dann auch langsam die Regeln begriffen, sodass es gegen Ende sogar (fast) ein bisschen spannend wurde! Es kam mir seltsam bekannt vor, dass auch beim Baseball die meisten Leute irgendwann nach Beginn völlig entspannt eintrudelten (mit einer großen 7$ – Portion Garlic-Fries und einem 9$-Bier) und, Spannung hin oder her, schon vor Spielende sich wieder auf den Heimweg machten. Man könnte fast meinen, dass Pommes und Bier (oder was es sonst noch so zu Wucherpreisen zu kaufen gab) der eigentliche Grund sind, wieso man sich hier zu einem Baseball-Spiel begibt. Auch wenn Baseball jetzt nicht gerade eine Sportart ist, die einen vor lauter Action vom Hocker reißt, fand ich es doch richtig gut, mal dabei gewesen zu sein. Und mit einer Tüte sunflower seeds war man auch in den weniger aufregenden Momenten gut beschäftigt…

Aufgrund des anhaltenden schlechten Wetters am Samstag hatten wir Mädels die Wahl zwischen Museum, Kino und Shoppingtour. Vermutlich entgegen eurer Erwartungen, haben wir uns doch tatsächlich für das Museum entschieden und zwar das „Exploratorium, a museum of science, art and human perception“, angeblich eines der besten Museen der USA. Das Museum war viel mehr ein riesengroßer Spielplatz mit unzähligen kleinen Stationen, an denen man die verschiedensten Dinge ausprobieren konnte…von der Simulation einer Düne bis hin zu den tollsten Phänomenen der Wahrnehmung war wirklich alles dabei! Total begeistert haben wir alles ausprobiert, immer wieder gestaunt und uns faszinieren lassen. Da hat es auch kaum gestört, dass wir ansonsten größtenteils von Kiddies zwischen 6 und 13 umringt waren. Besonders im Bereich der Wahrnehmung habe ich mein halbes Studium wiedergefunden, was mich in die reinste Euphorie versetzt hat! So hat sich dieser (dann doch nicht ganz so regnerische) Samstag wirklich ausgezahlt! Abends ging es ähnlich gut weiter, nach dem Kulturprogramm wollten wir uns mal wieder eine Clubbing-Nacht in San Francisco gönnen. Mit 15 Leuten und zwei großen Taxis ging es Richtung San Francisco, wo wir uns dann auf der Tanzfläche ordentlich ausgepowert haben! Bis hierhin war das Wochenende also ein voller Erfolg und auch ein etwas ruhigerer Sonntag (an dem ansonsten wahrscheinlich Langeweile aufkommen würde) kommt heute allen entgegen.

Neben Uni und Wochenendplanung ist die „Swine Flu“ hier das Thema Nummer 1. Keiner kann so recht einschätzen, ob wir uns angesichts der Nähe zur mexikanischen Grenze nun in wirklicher Gefahr befinden oder ob alles halb so wild ist. Zusätzlich gehen natürlich noch 98401 Gerüchte herum, sodass man letztendlich gar nicht mehr weiß, woran man eigentlich ist. Aber es ist schon komisch, wenn man am I-House-Office vorbeiläuft und das Mädel hinter der Theke einen Atemschutz trägt oder Zwei von uns Deutschen vor lauter Sorge nur maskiert zum Baseball-Spiel gehen…

Alles, was wir von Uni und I-House-Seite bisher an Informationen bekommen haben, war eine hilfreiche Mail, die aus genau vier Bildern bestand: eine Schale Obst, ein Mann auf einem Laufband, ein offenes Fenster und eine Frau, die sich die Hände wäscht! An dieser Stelle vielen Dank für diese wertvollen und innovativen Ratschläge ;-)…

Es ist kaum zu glauben, aber die Hälfte unserer Zeit hier in Hayward liegt bereits hinter uns! Schon jetzt verfallen wir regelmäßig in Trauer und Sentimentalität, wenn wir darüber nachdenken, dass der ganze Spaß nur noch 6 Wochen dauert und man sich (wenn überhaupt) nur noch sporadisch sieht, wo man doch jetzt so schrecklich viel Zeit miteinander verbringt und das Gefühl hat, sich schon ewig zu kennen…

Und mit wem wird man die ganzen Erfahrungen, Erlebnisse und Anekdoten dann teilen?

Damit ihr schon mal ein bisschen vorbereitet seid, habe ich für euch einige der wichtigsten Erkenntnisse und Erfahrungen im Aufeinandertreffen mit der amerikanischen sowie asiatischen „Kultur“ zusammen geschrieben. Vermutlich könnt ihr mit den meisten Punkten gar nichts anfangen, aber ich dachte, ich lass euch mal ein bisschen an dem teilhaben, was uns hier so bewegt ;-)….

Los geht’s…

  • Asiaten machen tatsächlich ununterbrochen „ohhhhh“ und „ahhhhh“
  • Asiaten genehmigen ihrem Gesicht jeden Morgen und Abend eine Gesichtsmassage, indem sie sich 5 Minuten das Gesicht abklopfen
  • Amerikaner kommen tatsächlich im Trainingsanzug in die Uni
  • In amerikanischen Toiletten steht das Wasser bis oben hin, sodass (angeblich) keine Klobürsten gebraucht werden
  • Wenn du „How are you doing today?“ gefragt wirst (und das wirst du gefühlte 34794 pro Tag), erwartet niemand eine Antwort von dir
  • Auf dem Highway darfst du nur die linke Spur benutzen, wenn mehr als 2 Leute in deinem Auto sitzen.
  • Fährst du 45 statt 35 m/hour und wirst erwischt, kannst du locker $1000 blechen.
  • Asiaten lassen immer und überall das Licht brennen (egal wie oft man es wieder ausknipst, am nächsten Morgen ist die ganze Bude beleuchtet)
  • Die Äpfel aus den Dining Commons zeigen auch nach vier Wochen nicht die leiseste Veränderung, erzählte man uns (Woran das wohl liegen mag?)
  • „No means no“ in Kalifornien (und wir uns Studenten in einer Power Präsentation explizit mit auf den Weg gegeben)
  • Nirgendwo schläft es sich besser als in der BART…
  • Ja, amerikanischen Studenten sind sich nicht sicher, ob die Katholiken dem Christentum angehören
  • Patrick vom I-House Staff vergibt Punkte dafür, wie gut wir geputzt haben (Danke Patrick, dass du uns wie 7-Jährige behandelst!)
  • Das I-House hat nichts besseres zu tun, als um 11 Uhr jede noch so kleine Party zu stürmen, penibel darauf zu achten, dass keine Unter-21-Jährigen anwesend sind und anschließend Verwarnungen per Mail zu verschicken und mit Community Service zu drohen
  • Kein Alkohol in der Fahrerkabine deines Autos! Wenn dein Kofferraum von der Kabine abgetrennt ist, hast du Glück: dort ist es dann erlaubt! (Juchhuu, wer wollte nicht schon immer in seinem Kofferraum Alkohol trinken?)
  • Der meist gehörte Satz in den Vorlesungen ist unangefochten „Does this make any sense?“ (Ja, rede weiter, verdammt!)
  • Asiaten geben sich Namen amerikanischer Prominenter, um uns nicht zu überfordern
  • Unser Soccer-Coach ist ziemlich cool und genau so, wie man sich einen amerikanischen Trainer vorstellt; zudem hat er ein bisschen was von dem Bauern Patcha aus „Königreich für ein Lama“

So, das war es fürs Erste! Nächstes Wochenende campe ich mit Isi und Corinna im Yosemite-National Park! Sofern wir nicht von Bären gefressen werden, werde ich euch sobald wie möglich davon erzählen, wie wir sie erfolgreich verjagt haben (oder ihnen hoffentlich erst gar nicht begegnet sind!)

Liebe Grüße,

Kathrin

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